Ines Sebesta - Übersetzerin für Bulgarisch/Slowakisch und Autorin


Man nannte ihn Ombre von Emil Tonev,
erschienen Juli 2008 im Wieser Verlag

„Der Titel dieses Romans klingt nicht nur nach Western, er zitiert sogar einen: "Man nannte ihn Hombre" von Martin Ritt (1967) gehört zu den Klassikern des Genres, und der Autor dieses Romans greift durchaus Motive jener Filmgeschichte auf. Eine nicht sehr große Gruppe von Menschen, die sich in misslichen Umständen behaupten müssen und deren Zusammenhalt schließlich zerbricht, Schießereien, die Nicht-Zugehörigkeit des Helden zur Gruppe, eine attraktive, dabei rätselhafte Frau, all das sind Konstellationen, die sowohl den Film als auch den Roman durchziehen. ... Mit großem erzählerischen Geschick beschreibt Tonev einerseits die unmittelbaren Lebensumstände in dieser Gruppe, die zwar durch einige eiserne Regeln und eine unangefochtene Autoritätsperson zusammengehalten wird, die aber zugleich auf Grund ihrer Heterogenität immer wieder Bruchstellen, Konflikte, Auseinandersetzungen zum Vorschein bringt oder provoziert. Exkurse in die bewegten Biografien dieser Personen blenden, andererseits, den historischen Hintergrund des Geschehens ein - vom Jugoslawien-Konflikt bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Und schließlich vollendet der Autor seine Geschichte ganz in der Manier eines spannenden und tragischen Western: vom Tod gestreift, von Verlusten betroffen, aber gereift, zieht der Held von dannen, um seine Geschichte aufzuschreiben.“
Rezensiert von Gregor Ziolkowski (Deutschlandradio Kultur, 23. 10. 08)

Über das Buch:

Man nannte ihn Ombre



Nach eigenen abstrusen Gesetzen lebt eine Gruppe deklassierter exotischer Balkancowboys in einem Wald in Bulgarien als Köhlerkommune. Ein Serbe, ein Makedonier, ein Rom, ein Pomake, ein Bulgare, eine Traumblondine aus Russland und der arbeitslose Journalist Angel, gejagt von den Stiernacken, die die Ebene beherrschen. Ein Mikromodell des Balkans mit Helden, die nicht in ein Gut-Böse-Raster passen wollen. Schlüsselthemen dieser Region - Emigration, Drogen, Einsamkeit, Unglaube, Korruption, Gewalt, Manipulation der Presse, das gleichgültige Europa - werden spannend, humor- und gefühlvoll aufgerollt. Tonevs Buch erinnert nicht nur durch seinen Titel an den Paul-Newman-Westernklassiker Man nannte ihn Hombre. Es ist dieser leidenschaftliche Appell an die Gerechtigkeit in einer von Gefühllosen und Mächtigen dominierten Welt, was die

beiden Werke verbindet. Sowohl in Bulgarien als auch in Italien, wo Ombre 2004 erschien, wurde Tonevs Roman begeistert aufgenommen, besonders von den Jüngeren. Auf der Berlinale 2006 wählte eine Jury unter dreihundert literarischen Werken Ombre als eines der drei Bücher aus, die sich am besten als Drehbuchvorlage eignen.

Aus dem Buch:
Hör mir jetzt mal zu, Junge! Dass du von Geld redest, wenn du um Hilfe bittest, ich hab keine Ahnung, wo sie dir das beigebracht haben. Bei uns gibt es so etwas nicht, dass dir das klar ist!
Es klang mir sehr demonstrativ und aufgeblasen, doch ich schwieg dazu. Ich konnte auch nicht ahnen, was folgen würde ...

Für das Benzin hast du nichts zu zahlen - fuhr Johann fort. - Aber - seine Augen blitzten schlau wenn du so sehr darauf bestehst, kein Schuldner zu sein, kannst du hier bei der einen oder anderen Arbeit helfen, quasi als Kompensation ... Geht das?
Ich sah mir die Männer ringsumher an, um zu verstehen, ob er mich vorführte oder es ernst damit meinte. Alle mampften äußerst konzentriert, und mir schwante etwas. Scheißegal, sagte ich mir dann.

Klar geht das, warum auch nicht - sagte ich laut.

 

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